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Gedankengang

sosa-parks:

During sex she said “deeper” so I rolled over and started reading her poetry

(via suphunzie)

Fosca (1869)
Igino Ugo Tarchetti
Mein Gott! Wie soll man die horrende Häßlichkeit dieser Frau in Worte fassen! So wie es Formen von Schönheit gibt’s, von denen man keine Vorstellung vermitteln kann, so gibt es auch Formen von Häßlichkeit, die unbeschreiblich sind, und um eine solche handelte es sich bei ihr. Häßlich war sie weniger wegen angeborener Mängel oder unharmonischer Gesichtszüge – sie waren zum Teil sogar regelmäßig -. Sondern eher wegen ihrer exzessiven, nahezu unvorstellbaren Magerkeit; wegen des Verfalls den der physische Schmerz und die Krankheiten in ihrem noch so jungen Körper ausgelöst hatten. Mit ein wenig Einbildungskraft konnte man ihr Skelett erahnen, die Jochbögen und die Schläfenknochen sprangen schrecklich hervor, der dünne Hals bildete einen scharfen Kontrast zu ihrem großen Kopf, wobei das Mißverhältnis durch eine üppige schwarze, dichte, lange Haarmähne verstärkt wurde, wie ich sie noch bei keiner Frau gesehen habe. Ihre ganze Lebendigkeit lag in ihren Augen, tiefschwarzen, großen, umflorten Augen von überraschender Schönheit. (…).
„Du weißt nicht, was es für eine Frau bedeutet, nicht schön zu sein. Schönheit ist uns alles. Weil wir nur leben, um geliebt zu werden und nur geliebt werden können, wenn wir anmutig sind, wird das Leben einer häßlichen Frau zur schrecklichen, quäldendsten Tortour. (…) Ich habe diese Qual in ihrem ganzen Ausmaß erlitten; ich mehr als viele andere Unglückliche, denn meine Sensibilität war unglücklicherweise noch monströser als meine Häßlichkeit. Ja, meine Häßlichkeit; ich habe den Mut, mich erbarmungslos zu beurteilen und die Dinge beim Namen zu nennen. Wenn du wüßtest…
Ich habe viel Selbsthaß empfunden, habe meinen Mangel an Anmut gehaßt, aber weit mehr noch habe ich mein Herz verabscheut und verabscheue es noch.“